Tablet & Co. von der Steuer absetzen

Als Lehrer Tablets und Laptops von der Steuer absetzen

Schulen und Bildungsträger sind knapp bei Kasse. Die Ausstattung der Lehrkräfte mit Tablets und Co. ist eher Wunschdenken, als Realität. Trotzdem möchten viele Kolleginnen und Kollegen nicht auf den Einsatz digitaler Medien verzichten. Das Resultat ist die Anschaffung eines Tablets oder Laptops auf eigene Kosten. Je nach Gerät können es da schon mal mehrere hundert Euro werden. Glücklicherweise hast du die Möglichkeit, einen Teil der Kosten durch die Steuererklärung zurückzuerhalten.

Wichtiger Hinweis! Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung! Ich bin kein Jurist / Rechtsanwalt / Steuerberater! Von daher kann und darf ich keine anwaltlichen Tipps geben und übernehme für die nachfolgenden Tipps keinerlei Haftung. Für eine genaue Auskunft, wende dich bitte an den deinen Steuerberater.

Grundlegendes zum Absetzen bei der Steuer

Du erhältst monatlich deinen Lohn. Geld, das du dir verdient hast, weil du deine Arbeitskraft zur Verfügung gestellt hast. Da ist es doch nur unfair, dass du dieses Geld dafür ausgibst, damit du vernünftig arbeiten kannst. Das sieht der Gesetzgeber auch so und gibt die Möglichkeit, zumindest einen kleinen Teil der Ausgaben zurückzubekommen. Das Stichwort ist hierbei: Werbungskosten.

Vereinfacht zählt zu den Werbungskosten all das Geld, das du aufbringst, um Arbeiten zu können. Das klassischste Bespiel ist der Fahrtweg zur Arbeit. Pro Kilometer mit dem Auto bekommst du 30 Cent oder kannst die Kosten von Bus- und Zugfahrkarten absetzen.

Nun ist es aber nicht so, dass du dann einfach 30 Cent pro Kilometer überwiesen bekommst – nein. Das System funktioniert anders herum. Nehmen wir an du erhältst im Jahr 40.000€ Lohn. Auf diese 40.000€ musst du Einkommenssteuer bezahlen. Wenn du jetzt im Jahr insgesamt 1000 Kilometer zur Arbeit fährst, sind das 300€ Werbungskosten (1000 km x 30 Cent pro Kilometer). Diese 300€ bekommst du „gutgeschrieben“ und musst jetzt nur noch auf 39.700€ Steuern zahlen.

Du zahlst also weniger Steuern und erhältst dadurch indirekt Geld mit der Steuerklärung zurück.

Weitere grundlegende Informationen zu den Werbungskosten findest du hier (externer Link).

Und was ist jetzt mit den Tablets und Laptops?

Als Lehrer hat man es mit der Anrechnung von Tablets, Laptops, PCs, Druckern, … in der Steuererklärung recht einfach. Alle diese Dinge zählen zu den Arbeitsmitteln; inklusive Zubehör. Wichtig ist nur, dass du es auch wirklich beruflich nutzt.

In deiner Steuererklärung kannst du das Arbeitsmittel direkt eintragen. Du kannst auch Zubehör mit absetzen. Zum Beispiel habe ich mir für die Schule ein iPad im Wert von ~700€ zugelegt. Dafür brauchte und wollte ich noch eine Hülle für ~45€, einen Apple-Pencil für 109€ sowie einen HDMI-Adapter für ~40€. Alle diese Dinge habe ich bei den Werbungskosten eingetragen.

Du nutzt das Tablet nicht ausschließlich beruflich?

Wenn du dein Tablet, deinen Laptop oder deinen PC auch privat nutzt, dann ist das überhaupt nicht schlimm. Innerhalb der Steuererklärung kannst du angeben, zu wieviel Prozent du das Gerät beruflich nutzt. Beim iPad sind es bei mir zum Beispiel 90 Prozent, beim Laptop 50 Prozent und beim damaligen Beamer 100 Prozent.
Der prozentuale Anteil muss dem Finanzamt auf Anfrage nachgewiesen werden und auch plausibel sein. Wenn das Gerät privat und beruflich genutzt wird, akzeptiert das Finanzamt allerdings mindestens 50 Prozent. Ab einer Nutzung von 90 Prozent können die Kosten zu 100 Prozent abgesetzt werden. Bei mir hat das Finanzamt bis jetzt noch nie angefragt; sondern die angegebenen Prozente anerkannt. Als Lehrkraft wäre es auch nicht sehr schwierig, die berufliche Nutzung plausibel darzustellen.

Was wenn das Gerät mehr als 952€ kostet?

Eine Besonderheit besteht bei der Höhe der Gerätekosten. Wenn es mehr als 952€ (inklusive Mehrwertsteuer) kostet, musst du die Kosten auf mehrere Jahre aufteilen. Hierbei wird das Zubehör zum Gerätepreis mit einberechnet. Ein Tablet muss zum Beispiel auf 3 Jahre aufgeteilt werden, wenn es diese Grenze überschreitet. Auf wieviel Jahre es aufgeteilt werden muss, verraten dir die AfA-Tabellen. Wenn du ein Steuerprogramm nutzt, dann reicht ein einfacher Eintrag, um was für ein Gerät es sich handelt. Den Rest macht das Programm. Ich nutzte zum Beispiel seit mehreren Jahren Wiso:Steuer.

Wenn das Gerät weniger als 952€ kostet, kannst du den Gesamtbetrag komplett in die Steuererklärung eintragen. Wenn du das noch auf dem guten alten Papier machst, dann ist es Seite 2 in der Anlage N. Digital sind es meistens „Arbeitsmittel“ unter dem Reiter „Werbungskosten“.

Achtung Nachzügler! Die Summe von 952€ gilt erst für Anschaffungen seit dem 01.01.2018. Falls du deine Steuererklärung für die weitere Vergangenheit machen möchtest (2017, 2016, …) dann gilt noch der geringere Betrag von 487,90€.

Was ist mit Apps und Software?

Du kannst nicht nur Tablets oder Laptops von der Steuer absetzen, sondern auch die entsprechende Software, die du zur Nutzung benötigst. Wichtig ist auch hierbei, dass es sich um eine berufliche Nutzung handeln muss. Das Premiumpaket für MyFreeFarm wird schwer zu begründen sein 🙂

Ich setze zum Beispiel die jährlichen Kosten für meinen digitalen Lehrerkalender TeacherTool von der Steuer ab. Ebenso die einmaligen Anschaffungskosten für meine Notizenapp GoodNotes 4.

Die Kosten für Software und Apps (ebenso wie alles andere Zubehör), sind nur mit dem Prozentsatz absetzbar, mit dem das Hauptgerät, abgesetzt wird. Das gilt allerdings nur bei Dingen, die gemischt genutzt werden können, wie der Notizen-App. Jedem Finanzbeamten leuchtet ein, dass ihr einen digitalen Lehrerkalender nicht privat nutzt.

Welche Erfahrungen hast du bei deiner Steuererklärung gemacht? Hast du Fragen zur Anschaffung von Geräten und der Möglichkeit sie abzusetzen? Dann hinterlasse einen Kommentar!

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Birgit
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Birgit

Vielen Dank für die sehr übersichtlichen und leicht verständlichen Erklärungen. Sehr hilfreich für mich.

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